Sonntag, 15.12.2019 22:30 Uhr

Pekings Vormarsch in Afrika.

Verantwortlicher Autor: Jurijs Barsukovs Celle, 23.10.2019, 15:36 Uhr
Presse-Ressort von: Jurijs Barsukovs Bericht 4653x gelesen
China Afrika
China Afrika  Bild: Grafik Jurijs Barsukovs

Celle [ENA] Dank der enormen Investitionen Chinas hat Afrika nach Einschätzung von Prognostikern alle Chancen, sich zu einem der Weltwirtschaftszentren zu entwickeln. Die gleichen Chancen hat es aber auch, in eine Schuldenfalle von Hunderten von Milliarden Dollar zu geraten.

In den Jahren 2005 bis 2018 beliefen sich chinesische Investitionen und Verträge in Afrika laut „China Investment Global Tracker“ auf insgesamt 299 Milliarden US-Dollar. Der Gesamtumsatz der Volksrepublik China mit afrikanischen Ländern beträgt heute laut „Ernst & Young“ bereits mehr als 200 Milliarden US-Dollar, und in Ländern wie Mosambik oder Senegal kontrolliert China bis zu 90% der Wirtschaft.

Die Priorität der wirtschaftlichen Aktivität Chinas in Afrika sind die Ressourcen des Kontinents. Darüber hinaus fördert die Volksrepublik China die Entwicklung der Industrie sowie des Land- und Luftverkehrs. Seit Anfang der 2000er Jahre werden die Aktivitäten Chinas in Afrika im Rahmen des China-Afrika-Kooperationsforums (FOCAC) koordiniert, an dem die afrikanischen und die chinesische Führungskräfte teilnehmen. Das Forum spornt gegenseitigen Handel, die Investitionen und Darlehen zwischen China und Afrika an. Es hat sich zu einem bedeutenden Instrument der internationalen Politik Pekings entwickelt.

Seit 2006 kündigen die Führungskräfte der Volksrepublik China bei jedem FOCAC-Gipfel an, Afrika neue Finanzierungspakete zu gewähren. Der Betrag stieg von 5 Milliarden US-Dollar im Jahr 2006 auf 40 Milliarden US-Dollar im Jahr 2015 an. Auf dem letzten Forum, das im September 2018 in Peking stattfand, versprach der chinesische Präsident Xi Jinping, in den nächsten drei Jahren weitere 60 Milliarden Dollar in die afrikanische Volkswirtschaft zu investieren.

Zusammen mit den Krediten und Investitionen der großen Staatskonzerne der Volksrepublik China sind auch die kleineren chinesischen Unternehmen nach Afrika gekommen. Heute sind nach Schätzung des „McKinsey & Company“ mehr als 10.000 chinesische Unternehmen in Afrika tätig, von denen 90% in Privatbesitz sind. In einigen Bereichen, wie dem Bau, erreicht der Anteil der chinesischen Unternehmen 50% des Gesamtvolumens aller Bauverträge, die von afrikanischen Staaten mit Ausländern abgeschlossen wurden.

China verdrängt aktiv und erfolgreich Europäer und Amerikaner aus Afrika. Die afrikanischen Führungskräfte fanden es viel bequemer, mit den nicht weniger reichen und zusätzlich politisch neutralen Chinesen zu arbeiten. Trotz einiger positiver Auswirkungen durch den Zustrom chinesischer Investitionen ist in Afrika die Unzufriedenheit mit der anhaltenden Expansion der Volksrepublik China gewachsen.

Nach den chinesischen Investitionen kommen die Chinesen selbst, die sowohl als Arbeitskräfte als auch als Manager herangezogen werden. Der Zustrom chinesischer Arbeiter und Unternehmer, deren Zahl auf dem afrikanischen Kontinent bereits eine Million Menschen überschritten hat, führt unweigerlich zu Konflikten – die afrikanischen Arbeiter verbleiben dabei oft als Verlierer. Die Anzahl der chinesischen Waren, mit denen die lokalen Produzenten nicht konkurrieren können, wächst.

Die Unzufriedenheit der Afrikaner mit der chinesischen Wirtschaft in der Region ist auch auf übermäßig ehrgeizige Infrastrukturprojekte zurückzuführen, von denen sich viele als wirtschaftlich unrentabel erwiesen haben. Insbesondere zwei Eisenbahnlinien in Afrika, die von chinesischen Auftragnehmern gebaut und von Peking finanziert wurden, können keinen Gewinn erwirtschaften. Eine von ihnen – im Wert von 4,5 Milliarden Dollar – verbindet Dschibuti und Äthiopien, die andere – im Wert von 3,5 Milliarden Dollar – befindet sich in Kenia.

Nach Abschluss der Bauphase wurde jedoch klar, dass der Personen- und Warenverkehr in diesen Regionen nicht groß genug ist, damit sich das Projekt in den kommenden Jahren rentiert. Aus diesem Grund sind die Schulden an Peking wohl hoch und müssen auf Kosten der lokalen Steuerzahler getilgt werden. Unter den afrikanischen Führungskräften wächst die Angst, in die Falle der «Schuldendiplomatie» der Volksrepublik China zu geraten. So weigerte sich im Oktober 2018 der Präsident von Sierra Leone, die chinesische Finanzierung für den Bau des Flughafens für 318 Millionen Dollar anzunehmen.

Offenbar war er nicht bereit, den Fehler der Führung von Sambia zu wiederholen, dessen Schulden sich an chinesische Investoren zwischenzeitlich auf eine Höhe von mehr als 9 Milliarden Dollar angehäuft haben. In einigen afrikanischen Ländern gibt es bereits Vorfälle im Zusammenhang mit den Versuchen lokaler Aktivisten, chinesischen Unternehmern den Zugang zu natürlichen Ressourcen und Sehenswürdigkeiten zu verschließen. In der senegalesischen Hauptstadt versuchten Anwohner, den Verkauf von Immobilien in der Innenstadt an Chinesen zu verhindern, in Tansania stiegen die Gewerkschaften gegen das chinesische Unternehmen an.

Es gibt eine wachsende Anzahl von Beschwerden der lokalen Bevölkerung über chinesische Arbeitgeber, die die Umweltvorschriften am Arbeitsplatz und die Rechte afrikanischer Arbeiter ignorieren. Die genannten Probleme haben die internationale Gemeinschaft bereits mehrfach verärgert, was China bei der Verwirklichung des eigenen Modells der Kolonialisierung des afrikanischen Kontinents nicht hindert.

Für den Artikel ist der Verfasser verantwortlich, dem auch das Urheberrecht obliegt. Redaktionelle Inhalte von European-News-Agency können auf anderen Webseiten zitiert werden, wenn das Zitat maximal 5% des Gesamt-Textes ausmacht, als solches gekennzeichnet ist und die Quelle benannt (verlinkt) wird.
Zurück zur Übersicht
Info.