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Warum der russische "Vitjaz" in den Marianengraben tauchte

Verantwortlicher Autor: Jurijs Barsukovs Moskau, 07.06.2020, 17:03 Uhr
Presse-Ressort von: Jurijs Barsukovs Bericht 4798x gelesen
Vitjaz
Vitjaz  Bild: Jurijs Barsukovs

Moskau [ENA] Vor Kurzem, zum ersten Mal in der Geschichte der russischen unbemannten Unterwassergeräte, erreichte «Vitjaz» den Boden des Marianengrabens und sank dabei in eine Tiefe von 10.028 Metern. Warum dieses Ereignis einzigartig ist und den Bau der ersten unbemannten Unterwasserkomplexe ankündigt?

Das neue russische unbemannte Unterwassergerät "Vitjaz-D" gelang auf den Grund des marianischen Grabens und installierte dort Wimpel mit dem Symbol des 75-jährigen Jubiläums des Sieges. Es führte auch Foto- und Videoaufnahmen durch, kartierte den Meeresboden und untersuchte die Umweltparameter. So hat das inländische Gerät zum ersten Mal den tiefsten Platz des Planeten erobert, obwohl hier bereits ausländische Geräte und sogar Menschen waren. Der „Vitjaz” weist jedoch einen wichtigen Unterschied auf, auf den wir ein wenig später eingehen. Es sei anzumerken, dass das Gerät seinen Namen zu Ehren des gleichnamigen sowjetischen Forschungsschiffes erhielt, das einen wichtigen Beitrag zur Erforschung dieses einzigartigen Ortes geleistet hat.

Verschiedene Sonden und Tiefseeapparate untersuchen seit den 50er Jahren den Marianengraben. Im Jahr 2012 wurde der Graben sogar von dem berühmten Regisseur James Cameron erobert, indem er Aufnahmen für seinen Dokumentarfilm machte. Das russische Gerät "Vitjaz" hat aber, wie bereits erwähnt, einen wesentlichen Unterschied. lle ausländischen Geräte, die die Tiefen eroberten, hatten eine menschliche Steuerung – ob direkt oder aus der Ferne. "Vitjaz" ist der erste völlig autonome, unbemannte Apparat der Welt, der in eine solche Tiefe eindrang. Die Elemente der künstlichen Intelligenz ermöglichen es ihm, unabhängig Hindernisse auf seinem Kurs zu umgehen, einen Weg aus dem begrenzten Raum zu finden und andere intellektuelle Aufgaben zu lösen.

Die Schaffung einer solchen Maschine gleicht einer Kunst, da hierbei viele Aufgaben gelöst werden mussten – von der Organisation eines zuverlässigen Kommunikationssystems über das Management bis zur Anwendung einer einzigartigen Konstruktion und einzigartiger Materialien. Stellen Sie sich vor, dass der Druck am Boden mehr als 1.100 Mal größer ist als der normale atmosphärische Druck auf der Oberfläche der Ozeane und all diese Wassermassen versuchen den Apparat zu zerquetschen. Aber dieses russische Gerät ist dafür ausgelegt, auch in größerer Tiefe zu arbeiten – bis zu 12.000 Meter. Und es ist nicht nur für die Forschung notwendig.

Projekt «Eisberg». Das Gerät „Vityaz-D“ ist ein Demonstrator der Möglichkeiten Russlands, insbesondere der Möglichkeiten seiner Schöpfer des Konstruktionsbüros „Rubin". Dieses Konstruktionsbüro hat auch viele andere interessante Entwicklungen herbeigeführt, zum Beispiel die Unterwasser-Drohne «Klawisin-2R-PM», verschiedene U-Boot-Projekte sowie Meeresdichten-Plattformen. Aber vielleicht ist das außergewöhnlichste Projekt das "Eisberg"- Projekt. Es ist ein gesamter Unterwasser-Industrie-Komplex für den Bergbau, vergleichbar in der Größe einer kleinen Stadt,  der aber völlig autonom arbeitet. Auf den Straßen dieser Stadt würden sich die Unterwasserdrohnen bewegen und verschiedene Aufgaben durchführen.

Ein Mensch ist in dieser Tiefe einfach nicht notwendig, er wird die Arbeit von einem sicheren Ort aus überwachen. Jetzt hat Russland eine neue U-Boot-Drohne, was bedeutet, dass neue Möglichkeiten sowie neue einzigartige Kenntnisse und Erfahrungen entstanden sind. Der Tag, an dem die erste russische Fabrikstadt der Welt auf dem Meeresboden wachsen wird, ist also noch ein bisschen näher gerückt. Video: https://youtu.be/7MLEyVs8aL8

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