Mittwoch, 03.06.2020 21:35 Uhr

Die Summe des Kleingedruckten macht Theater unmöglich

Verantwortlicher Autor: Heiko Schulz Wiesbaden, 23.05.2020, 19:29 Uhr
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Wiesbaden [ENA] Es sollte ein Lichtblick für Theaterfans werden, aber auch für freischaffende Schauspieler, Bühnentechniker, Maskenbildner und alle anderen Beteiligten. So lange wie möglich wurde versucht zu vermeiden, was nun doch traurige Realität wurde: Auch die Sommerfestspiele Wiesbaden 2020 wurden nun wegen der Corona-Pandemie abgesagt. Genauer gesagt: Wegen der behördlichen Vorgaben.

Nach Absage der Burgfestspiele Bad Vilbel, der Hanauer Brüder Grimm-Festspiele oder des Fuldaer Musicalsommers wollte das Wiesbadener kuenstlerhaus43 ein Zeichen setzen. Einen Hoffnungsschimmer für Menschen auf und hinter der Bühne. Man wollte den Zuschauern einen Ort bieten, unbeschwert lachen zu können. So lange wie möglich haben die Organisatoren an den Planungen der diesjährigen Sommerfestspiele in Wiesbaden festgehalten. Die Lockerungen der Corona-Maßnahmen erlauben seit dem 09. Mai zwar wieder Theaterbetrieb in Hessen. Doch "die Summe des Kleingedruckten" zeichnet ein anderes Bild. In einer emotionalen Pressekonferenz erklärten die Theaterbesitzer, was die aktualisierten "Verordnungen zur Kontaktvermeidung" konkret bedeuten.

"Das Lachen vertrocknet hinterm Mundschutz"

Die allgemein bekannten Abstandsregeln haben demnach zur Folge, dass auf 5 qm Fläche nur ein Zuschauer erlaubt ist. Dies führt nach Ansicht des Theaterintendanten Wolfgang Vielsack dazu, dass "Winken zum Intimkontakt wird". Zudem gebe es, so Dramaturgin Susanne Müller, keine gastronomische Perspektive. "Das Lachen vertrocknet hinter dem Mundschutz, weil der Ausschank von Getränken untersagt ist", kritisiert sie die Verordnung.

Außerdem verlange die Verordnung vor jeder Probe eine betriebsärztliche Untersuchung aller Schauspieler, tägliches Fiebermessen und eine lückenlose Dokumentation, dass sich kein Schauspieler näher als 1,50 Meter kommt - auch auf der Bühne. Susanne Müller und Wolfgang Vielsack fassen die aktuelle Verordnung zusammen: die "Summe des Kleingedruckten" könne man als kleines, inhabergeführtes Theater nicht leisten.

Mit großem Bedauern habe man sich nun also dazu entschlossen, die geplanten Sommerfestspiele abzusagen. Gleichzeitig freut man sich aber schon auf die Spielzeit im kommenden Jahr, die vom 10. Juli bis 1. August 2021 geplant ist. Selbstverständlich behalten bereits gekaufte Karten ihre Gültigkeit oder können gegen Gutscheine für andere Vorstellungen getauscht werden. "Wir wollen niemanden hängen lassen" untermauert Vielsack die Flexibiltät des Theaters für Karten, die nicht genutzt werden können. Man freut sich aber auch über jeden, der das Theater und seine Künstler durch Verzicht auf Umtausch oder Rückgabe unterstützt.

Aktuelle Informationen zum Theater gibt es unter www.kuenstlerhaus43.de und www.sommerfestspiele-wiesbaden.de

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